83. Abendmusik in der Kreuzkirche Herrensohr
Ein musikalischer Urknall: Streichquartett „No Limits“ sprengt alle Genregrenzen mit „QUERBEAT“ weiterlesen
Wer die Empore der Versöhnungskirche in der Völklinger Innenstadt erklimmen möchte, muss gut zu Fuß sein. Ziemlich steil, über rund zwanzig schmale Stufen schlängeln sich die Treppen in den Rechteckzwickeln hinauf zur Galerie des fast 100 Jahre alten Gotteshauses. Für Menschen mit Gehbeeinträchtigung wird der Weg nach oben künftig leichter. Die Evangelische Kirchengemeinde Völklingen-Versöhnung hat für sie eigens einen Treppenlift installieren lassen.
„Wir haben die Rückmeldung bekommen, dass einige ältere Menschen gerne an den Emporenkonzerten teilnehmen würden, aber das bisher schwierig zu realisieren war“, erklärt Gemeindepfarrer Klaus Köhler. Seit 2022 gibt es in der Kirche regelmäßig diese Konzerte, die durch Sitzplätze in unmittelbarer Nähe zur Schuke-Orgel eine besondere Atmosphäre ermöglichen.
Angesichts der Problemanzeige habe das Presbyterium der Versöhnungskirchengemeinde im Februar beschlossen, einen Sessellift einzurichten. Was folgte, war ein mehrmonatiges Verfahren mit Baubegehungen und kirchlichen Prüfverfahren. Das Landesdenkmalamt signalisierte grünes Licht. Unter einer Bedingung. „Das Denkmalamt wollte, dass das historische Treppengeländer unverändert bleibt“, erzählt Pfarrer Köhler. Also ließ die Kirchengemeinde ein zusätzliches Geländer direkt vor dem alten anbringen. Als das geklärt war, ging es dann aber schnell: An einem einzigen Tag war der neue Lift im Treppenhaus rechts vom Hauptportal eingebaut, wie Hausmeister Stefan Kohrmann weiß.
Zum Ortstermin sind Pfarrer und Hausmeister mit einem Gemeindeglied, Jürgen Heyer von der Völklinger Röchlinghöhe, gekommen. Der 76-jährige Heyer ist zwar selbst noch nicht auf den Treppenlift angewiesen, möchte ihn an diesem Tag aber schonmal testen, „für dann, wenn es soweit ist“, erklärt der treue Kirchgänger.
Mit knapp einem Kilometer pro Stunde geht es recht flott die Wendeltreppe hinauf. Eine „Achterbahn für SeniorInnen“ ist der Treppenlift dennoch nicht – der Sessel bleibt auch bei Steigung durchgängig aufrecht und natürlich gibt es einen Sicherheitsgurt. Mittels Schalthebel kann Heyer selbst losfahren und bremsen. „Praktisch“, so das Fazit des Testers.
Ist der Lift gerade oben, aber weitere Menschen am Fuß der Treppe möchten ihn nutzen, muss übrigens niemand erst die Stufen erklimmen. Per Fernbedienung kann der Sitz auch von unten zurückgeholt werden, verrät Kohrmann. Das sei auch wichtig, denn der Treppenlift werde schon rege genutzt. Beim Emporenkonzert im Oktober seien es schon vier Personen gewesen, so Köhler. Und das, obwohl die neue Möglichkeit noch nicht groß beworben wurde.
Eine gelungene Maßnahme also, die sich die Kirchengemeinde 12.000 Euro hat kosten lassen. Finanziert wurde der Einbau vollständig aus Eigenmitteln. Von einer „sinnvollen Investition“ spricht daher Köhler. Der Auftrag sei übrigens bewusst an eine saarländische Firma aus Klarenthal vergeben worden, wie der Gemeindepfarrer verrät.
Künftig möchte die Kirchengemeinde die Empore der Versöhnungskirche noch stärker für Veranstaltungen nutzen, beispielsweise für regelmäßige Ausstellungen. Auch für Umtrünke, etwa nach den Emporenkonzerten, gibt es nun einen Platz in der Versöhnungskirche, der auch für Menschen mit Einschränkungen gut erreichbar ist.
Durchgängig barrierefrei sei die Empore derzeit allerdings noch nicht, merkt Hausmeister Kohrmann an. Doch liefen in der Gemeinde schon Überlegungen, auch noch die letzten Hürden auf der Empore auszugleichen, vielleicht durch zusätzliche Rampen. Spätestens zum hundertjährigen Jubiläum des Völklinger Wahrzeichens im Jahr 2028 wird die Versöhnungskirche sich besonders gastfreundlich präsentieren.